Tûranor © www.planetsolar.org

Erste Weltumrundung mit Photovoltaik-Energie geschafft!

von - 16. Mai 2012

Ohne einen Tropfen Treibstoff oder Segel, ausschließlich mit Sonnenenergie hat die “Tûranor”, ein 95 Tonnen schweres Solarboot, die Welt umrundet. Im Interview mit Energie-Blog.at erzählt Raphaël Domjan, Initiator und Leiter der Expedition, von den schönsten und den gefährlichsten Momenten der Reise, von Piraten – und was alle Hausbesitzer von seinem Abenteuer lernen können.

Das Boot & Die Mission

Tûranor “PlanetSolar” ist ein Katamaran, der ausschließlich mit Photovoltaik-Energie angetrieben wird. Das Solarboot ist 31 Meter lang, 15 Meter breit und wiegt 95 Tonnen. Auf offenem Meer können die Anbauteile für die Photovoltaik-Platten ausgefahren werden. Dann ist das Boot 35 Meter lang, 23 Meter breit und sammelt mit 537 Quadratmeter Photovoltaik-Platten Sonnenergie für die beiden Antriebspropeller und die Batterien. Der Name Tûranor steht in der Mythologie von J.R.R Tolkien für “Kraft der Sonne”.

Einmal um die Welt mit Sonnenenergie

Erbaut wurde das Solarboot, um als erstes Fahrzeug ausschließlich mit Hilfe von Sonnenenergie die Erde zu umrunden. Das ist gelungen: Am 4. Mai lief der Katamaran nach einer 584 Tage, 23 Stunden und 31 Minuten langen Reise von 60’006 Kilometern über alle Ozeane und Kontinente im Hafen von Monaco ein.

“Wir wollten zeigen, was mit Sonnenergie alles möglich ist”

Energie-Blog.at hat Raphaël Domjan, den Initiator und Leiter der Expedition, kurz nach seiner erfolgreichen Reise interviewt. Der 39-Jährige Schweizer ist ein Mann mit Überzeugungen. Er hatte die Vision des Projektes PlanetSolar und setzte alles daran, sie zu verwirklichen

Energie-Blog.at: Was hat Sie auf die Idee gebracht, dieses Projekt zu initiieren?
Raphaël Domjan:
Wir haben auf unserem Planeten ein Klimaproblem. Darauf muss man aufmerksam machen. Ebenso wichtig ist es aber, nicht nur das Problem, sondern auch Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Das war das wichtigste Ziel unserer Reise: Zu zeigen, dass wir die Technologie und das Wissen haben, um nachhaltig und energieeffizient zu leben und unseren blauen Planeten zu schützen!

Was ist es für ein Gefühl, mit so einem riesigen Solar-Katamaran über die Weltmeere zu rauschen?
Es ist unglaublich, einfach überwältigend. Du gleitest über den Atlantik, den Pazifik, vollkommen geräuschlos und ohne dich um Segel kümmern zu müssen. Faszinierend war auch, welches Aufsehen wir mit unserem Boot bei unseren Zwischenstopps erregt haben. Egal ob in Tanger, Miami, Cancun, den Galapagosinseln, Hong Kong, oder Bombay – die Leute haben gestaunt, wenn sie unser Boot gesehen haben. Viele konnten nicht glauben, dass wir nur mit Sonnenergie um die Welt reisen. Aber wir haben bewiesen: Es geht!

Hatten Sie je Zweifel, Ihr Ziel zu erreichen?
Ja, klar. Am Anfang, wenn du bei Null beginnst, hast du nichts, du musst das Geld auftreiben, die Technik konzipieren. Das Boot bauen, die Crew zusammentrommeln. Es hat immer wieder Phasen gegeben, wo ich dachte: Wir schaffen das nicht. Auch auf See.

Was war der gefährlichste Moment Ihrer Reise?
Vor Abu Dhabi sind wir in einen verheerenden Sturm geraten und hatten gleichzeitig ein technisches Problem. Das war echt kritisch. Der Anker hat das Boot gehalten, während es dieser enorme Sturm Richtung Küste gezerrt hat. Uns war bewusst: Wenn der Anker reißt, haben wir nur eine Minute, um das Boot zu verlassen, um uns zu retten. Das Boot wäre dann zerschellt, die Mission zu Ende gewesen. Aber es ist uns gelungen, das technische Problem zu lösen und in den Hafen zurückzukehren.

Für Piraten muss die Tûranor ja auch ein interessantes Ziel gewesen sein?
Ja, auf jeden Fall. Wir hatten privaten Geleitschutz im Gebiet vor Somalia. Und es ist uns zum Glück gelungen, den Piraten auszuweichen.

Was war der schönste Moment?
Als wir in Monaco unser Ziel erreicht haben. Die langen Jahre der Vorbereitung, die 585 Tage auf See, das alles war darauf fokussiert, das zu erreichen. Und bis einen Meter vor dem Ziel war es immer noch so: Wir wollen das erreichen. In der Sekunde danach hatten wir es erreicht. Das hat alles verändert und war für das ganze Team ein unglaublicher Moment.

Gab es auch Probleme mit der Nutzung der Sonnenergie?
Es war eine Herausforderung, wie alles, was man zum ersten Mal macht. Manchmal wäre es durchaus angenehm gewesen, als Alternative eine andere Energiequelle zu haben, die die Sonnenergie unterstützt. Aber unser Ziel war eben, nur mit Sonnenenergie zu reisen. Und die meiste Zeit hat es reibungslos geklappt, war sehr komfortabel und angenehm.

Was können alle Hausbesitzer von Ihrem Abenteuer lernen?
Das man der Solar-Technik trauen kann. Das ist uns oft bewusst gewesen, zum Beispiel als wir noch ohne Geleitschutz im Horn von Afrika unterwegs waren, einem nicht ganz ungefährlichen Gebiet. Im Norden Jemen, im Süden Somalia, und wir das einzige Boot weit und breit, kein Mensch in Sicht außer uns. Da haben wir uns gefragt: Was passiert, wenn uns jetzt die Technik im Stich lässt? Aber es hat sich gezeigt: Die Solar-Technologien funktionieren, sie sind nicht nur ein Gadget oder eine Modeerscheinung, sondern etwas, auf dass du dich verlassen kannst. Auf hoher See. Oder wenn du mit einer Solaranlage auf deinem Haus Strom oder Wärme produzieren willst.

Was sind Ihre nächsten Ziele?

Wir machen einen Film und ein Buch über unsere Reise. Und ich habe schon eine Idee für das nächste Solar-Abenteuer. Das ist aber noch nicht spruchreif… Und zuallererst mache ich Urlaub.

Auf dem Meer?
Nein, hauptsächlich am Land. Ich bin ja auch begeisterter Bergsteiger, werde jetzt einige Tage auf den Bergen meiner Schweizer Heimat verbringen.

>> zur Website von Planet Solar

2 Antworten auf “Erste Weltumrundung mit Photovoltaik-Energie geschafft!”

  1. Einfach toll !!!!!!!!
    Nur weiter so Ihr seid die Pioniere der Energiezukunft
    A.Pitscheider (ein zukünftiger Besitzer einer PV Anlage)

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